Archive for the ‘Briefe’ Category

- me agape.

Mittwoch, Mai 5th, 2010

Es waren seit langem Zeiten in denen es einfacher schien, in der Nacht zu verschwinden und mit ihr zu verschmelzen.
Allein graue Gedanken wären noch erkennbar gewesen, und so waren es die Nächte ohne Schatten, die ihre schwarzen Gedanken aufnahmen und untergehen ließen.
Die Nächte wurden zu Zeiten des Freiseins in diesen Augenblicken des Nicht-Sehens, nicht Erkennen-Könnens.
In diesen Nächten gab es auch keine Spiegel. und wenn es sie gab, dann waren sie auch schwarz - einfach dunkle Flächen inmitten des Dunkels.
Am Ende dieser Nächte konnte sie auch endlich schlafen, farblose Träume umgaben sie, aufgesogen vom Schwarz und darin verschwindend.
Sie schlief erst ein, wenn die Nacht ihre Dunkelheit an den Tag verlor.
Es war gut sich gehen zu lassen. So leicht.

An einem dieser Tage, nach der Morgendämmerung die alles Schwarz aufsaugt, träumte sie.
Es war anders als sonst.
Zuerst sah sie Umrisse, immer mehr, viele. Sie hatten viele Schattierungen.
Dann, ganz langsam, kamen die Farben dazu.
Ein kleines hilfloses Bleich, ein helles Elfenbein, ein leichtes Gelbgrün wie allein der erste Frühling es nur schaffen kann, ein Rosa zart wie der Ansatz einer Magnolienblüte, ein grelles Orange einer untergehenden Sonne, ein Rot von endlosen Mohnfeldern, ein Blau eines weiten Ozeans, ein Lila fröhlicher Fliederbüsche, ein Braun kerniger Erde, ein glänzend-sattes Grün eines Laubfrosches und ein leuchtendes Gelb aus dem Herzen eines kleinen Gänseblümchens.

Sie wachte auf und konnte plötzlich nichts mehr denken.
Sie schaute sich an, blickte vor sich und an sich hinunter.
Sie schaute und sah nichts - und doch war es anders.
Sie ging wie üblich durch ihre Zeit, vergaß sie sofort wieder - so wie üblich.
Denn als ihre Füße den Boden fühlten, waren die Erinnerungen an den Traum der Farben verschwunden.
Sie ging wieder ihre gewohnten Wege die gefüllt waren mit ins Innere gekehrten Blicken und einer steten Sehnsucht nach allen dunklen Nächten.
Heute jedoch vergaß sie, sich nach der Nacht zu sehnen, so wie an jedem ihrer Morgen.
Etwas begleitete sie, ohne dass sie dieses Etwas erklären konnte. Sie merkte bloß, dass es sich nicht verdrängen ließ.

Als die Nacht sie wieder empfing, war sie unsicher. Unruhig wartete sie auf deren Arme und Schwärze. Sie sehnte sich nach dem Schlaf vor der Dämmerung, nach dem dunklen Tunnel ihres Lebens.
Nachts schliefen alle Menschen, das wusste sie. Doch niemand wusste, wie sehr sie selbst nachts lebte und wie gerne sie sich am Ende dieser Nächte endlich fallen ließ.
Und genau bevor sie am Ende der dunklen Stunden sich dem Schlaf überlassen wollte, kamen sie wieder. Die Farben. Immer mehr, immer stärker.
Das ging mehrere Nächte so. Jedes Mal hatten die Farben wieder ein anderes Gesicht, immer satter, voller, durchdringender schufen sie sich Raum in ihren Träumen.
Als sögen sie die Dunkelheit auf, als wischten sie das Nichts weg, als hüben sie die Schwere aus den Angeln und öffneten unbekannte Tore, als forderten sie sie auf, hindurch zu schreiten.
Und sie begann, ganz zaghaft, den Kopf zu heben. Sie bewegte die Lider, ließ die feinen Wimpern flattern, und zwischen dem Spalt zeigten sich ihre hellgrauen, farblosen Augen. Als hätten die Nächte ihren dunklen Augen die Farbe aufgesogen, so farblos waren sie. Sie hatte sie verdrängt und vergessen : ihre schwarzen Augen.
Zu lange hatte den Blick gescheut, damals als sie die Spiegel noch reden ließ.

Konnte es sein, dass sich in ihrem Inneren eine Wärme breit machte? Als seien die Gedärme heiß und unruhig, als würden ihre Gliedmaßen sich strecken, als käme ihr Atem fester und tiefer aus ihren Lungen, als würden die Ohren sich aufsperren und nach Lauten richten, die die Nacht nicht kennt oder gar längst verschluckt hatte.
Sie ging durch die neue Zeit der Helligkeit mit geraden Schultern, nicht wie sonst gebückt.
Noch blickte sie nicht mit offenen Augen auf alles um sie herum.
Noch weigerten sich ihre Ohren, laute zu unterscheiden.
Noch schlug ihr Herz unruhig und die Füße stolperten.
Als ihre Finger die Wärme der Steine fühlten, auf die sie ihre Hände gestützt hatte, erschrak sie.
Welch ein unbeschreiblicher Zustand.
Was war das?
Was geschah mit ihr?
Ein Duft, längst aus ihren Träumen verbannt, wand sich wie eine Schlange durch die Nase in ihren Kopf. Der schien davon bersten zu wollen.
Mit einem Mal riss sie ihre Augen auf. Sie wollte mehr.
Wollte wissen, was geschah:
Was war das, was sie um sich sah?
Was schuf diese Klänge?
Von wo kam dieser Duft, was hat ihn bewirkt?
Woher der sanfte Wind in ihrem Haar?
Warum die Hitze der Steinbank unter ihren Schenkeln?
Wer hat ihr das geschickt?
Alles fremd.
Und doch ein Zuhause.
Denn alles war da.
Alles was in ihr war, war da.
Sie war da.
Die Nächte der Schwärze hatten es ihr nicht nehmen können.
Das Schwarz der Nächte war nur die Flucht vor dem was sie meiden wollte und was jetzt mit ihr geschah:
Sie fühlte.

Nach einiger Zeit in der sie ruhig da lag, ihr Atem wieder flach ging und der Himmel auf den sie starrte, immer heller wurde, stand sie auf.
So wie jeden Morgen setzte sie ihre Füße auf den Boden.
Sie fühlte die Erde zwischen ihren Zehen und ein Laut kam aus ihrem Mund.

Und sie begriff: sie lachte.

- Caro amico,

Dienstag, August 5th, 2008

nein, mein Heimzugang für die große weite Welt funktioniert immer noch nicht, denn die Telecom hat vergessen, ihn für mich frei zu schalten. Und da bei denen prinzipiell gegen Kundenbedürfnisse entschieden wird, haben die mir als Stichtag für die Freischaltung, Montag nächste Woche mitgeteilt und ich habe mich ihrer Entscheidung gebeugt. Höhere Gewalt nennt man das wohl. Es wird den arabischen Internetcafé-Besitzer freuen.

Leben ist schön, wenn auch manchmal schwer.

Und allein schon solche Augenblicke wie eben gerade hier, der Augenblick vor diesem Rechner in einem schmuddeligen Internetcafé mit einem mittlerweile freundlichen Besitzer und mit dem Bewusstsein dass Sie es sind, an den ich diese Worte richte, das ist, wie Sie es so schon beschrieben haben, ein Geschenk !

Das Leben ist voller Geschenke: Menschen, Situationen, Töne, Farben, Tiere, Grün, Schatten, Gerüche, Berührungen, Erinnerungen, Schweigen, Träume…..

Wenn ich das Klarinettenkonzert von Mozart höre, dann glaube ich den Zauber allen Lebens zu spüren. Dann fliege ich mit jeder Note zwischen den Wolken in den Himmel. Damals, als ich anfangs in Deutschland war und mich sehr allein fühlte - es war Winter und kurz vor Weihnachten - wäre ich am liebsten wieder geflüchtet; am besten in die Wärme und zu Menschen die mir nahe stehen. Ich wusste, dass das unmöglich war und fühlte eine riesige Hilflosigkeit und Leere. Da hörte ich vor einem Laden jemanden auf einer Klarinette spielen und daneben lief in einem Recorder die orchestrale Begleitung. Ich blieb vor dem Musiker stehen und dann, plötzlich, war alles leicht.

Egal wo ich war, die Musik blieb die Gleiche, genauso wie mein Empfinden. Alles was wichtig und schön und unvergänglich ist, geht nicht verloren. Ich habe geweint. Es war so schön, so erleichternd.

Letztens hörte ich im Vorbeigehen einige Männer lautstark vor einem Café auf Italienisch diskutieren. Und im nächsten Augenblick war ich wieder das kleine Mädchen, das von seiner Großmutter in die Kneipe geschickt wird um den Vater zu Tisch zu rufen, denn es ist „la mezza“, halb eins, Zeit zu essen. Ich laufe durch eine enge muffige Gasse mit alten Häusern aus denen die unterschiedlichsten Gerüche duften, begleitet von lautem Geschirrklappern.

Die Kneipe war immer duster und rauchig, tiefgezogene Decke, wenige Tische und ein ganz langer Holztresen. Auf dem Boden lagen Späne, und die Männer (Frauen gab es dort nie!!!) spuckten regelmäßig und nach Belieben darauf. Sie nippten an ihrem Weißwein und diskutierten lauthals und ohne Unterlass. Es roch trotz Rauch meist säuerlich, was meiner Nase nicht sehr angenehm war.

Ich stand in dem dämmrigen Raum und wagte nicht, mich bemerkbar zu machen. Obwohl das eigenartige Klirren, des mit Plastikteilen bestückten Vorhangs an der Eingangstür, jeden neuen Gast ankündigte, blickte niemand auf. Ich stellte mich wortlos in die Nähe meines Vaters, der unbeeindruckt weiterredete als sei ich nicht da. Der Wirt fragte mich manchmal, ob ich eine „limonata“ haben möchte und ich war froh wenn mein Vater dann nicht abwinkte, weil das gerade der Augenblick war, in dem er entschied zu gehen.

Denn die limonata des Wirtes war die beste weit und breit; süß-säuerlich und weißlich-trüb. Ich konnte mich auf das Getränk konzentrieren und es genießen, denn die vielen Männer machten mich unsicher. Ich spürte damals schon eine Art von Unterschied, dass Mann und Frau irgendwie ein Graben trennt den ich, das kleine Mädchen, jedoch nicht begriff. Ich bin in einer fast männerlosen Umgebung aufgewachsen und die, die da waren, galten nicht wirklich. Wir Frauen mussten bloß dafür sorgen, dass die Männer alles bekamen was sie wollten, dann hatte jeder Ruhe. Das war mein Eindruck.

Die Männer waren so stumm, außer wenn sie sich mit harten kurzen Worten bei den Frauen beschwerten (ohne die dabei anzuschauen) oder untereinander in der Kneipe waren. Ich glaubte, wenn ich erwachsen bin, dann würde ich das alles verstehen, ich müsste einfach nur abwarten, denn nur weil ich Kind war, war ich eben falsch am Platz.

Heute weiß ich, dass diese beiden Welten noch immer sehr viel trennt, auch wenn Frauen mittlerweile Kneipen besuchen und Männer langsam lernen zu reden und dabei die Frauen anzuschauen. Ich finde jedoch, der Gewinn der Frauen für ihr Leben, gemessen an den beiden o.g. Umständen, ist längst nicht so bedeutend wie der der Männer.

Reden ist wichtig, wichtiger jedoch, sich seinen Gefühlen bewusst zu werden. Können Sie das, ist es Ihnen möglich?

Nicht nur die Ängste kennen sondern auch die Gefühle, die so zahlreich und vielfältig sind, und sie in sich spüren und einordnen können?

Ist nicht immer ganz so einfach, gell?!

Was nun noch die Vorteile der alten Männer des Südens betrifft, die Sie in Ihrer letzten Mail fast neidisch beschrieben, so möchte ich Ihnen nicht verheimlichen, dass es auch Frauen gibt die draußen sitzen. Sie haben aber im Allgemeinen auch noch im Alter mehr Aufgaben als die Männer und aus dem Grunde nicht so viel Zeit dafür.

Es ist nicht die Abwesenheit oder gar Befreiung von Pflichten und Sorgen, die alle so ruhig da sitzen lässt, sondern wohl eher das hinter ihnen liegende und in den Augen ihrer Gesellschaft ausgefüllte Leben, das sie zum Müßiggang berechtigt.

Das „nicht-mehr-suchen“, das ist vielleicht auch ausschlaggebend.

Heute habe ich meinen Flur fertig gestrichen, sonnengelb!

Am Ende war ich war voller Farbe und Energie.

Gestern Abend teilte ich dem Besitzer des Internetcafés mit, dass ich nur noch bis Montag zu ihm komme, danach würde ich zuhause arbeiten können, dank Telecom. Da meinte er, das täte ihm leid, ich sei immer willkommen gewesen und außerdem sollte ich der Telecom nicht trauen, die würde viel zu hohe Preise verlangen und die Rechnungen zu ihren Gunsten aufrunden. Ich sollte bloß gut aufpassen und alles genau nachrechnen, er wüsste sehr gut Bescheid.

Ich habe ihn gefragt, welche Sprache er spricht. Er sagte: „arabisch“. Ich blickte ihn wohl etwas unsicher an, denn er lächelte und zeigte mir dabei seine Zahnlücke.

Woher er denn stammte, wollte ich wissen. Er sei Ägypter. Seine Freunde, und da zeigte er auf eine Handvoll Männer in der Ecke, seien aus allen arabischen Ländern; Tunesien, Jordanien, Algerien, Marokko und Libanon. Jeder hätte seine eigene landestypische arabische Sprache und doch würden sie sich alle untereinander sehr gut verständigen können.

„Sie werden mir fehlen“, rief er mir leise zu, als ich mich zum Ausgang bewegte.

So, ich werde jetzt aufhören, denn es könnte zur Überbelastung der Augennerven führen, zu lange starr in rechteckige Bildschirme zu blicken und das bekommt auch den gesündesten Pupillen nicht – nicht Ihren und nicht meinen!

Bald wird eine Generation der Quadrat-Augen-Menschen die Brillenindustrie vor schwerwiegende Probleme stellen, denn es wird nicht einfach sein, die adäquaten Sehhilfen zu produzieren. Aber dank Genmanipulation werden dann eh alle Adleraugen haben oder einen automatischen Focus. So gesehen wird es Fielmann nicht mehr lange geben. Welch grausame Konsequenzen, nicht auszudenken wo die hinführen, ach…….

Ich weiß, ich bin geschwätzig, aber Sie können ja abschalten oder sich alles aufteilen, ein bisschen vor und ein bisschen dazwischen und ein bisschen nach dem Essen lesen. Aber bitte machen Sie mich nicht für die Nebenwirkungen verantwortlich, denn ich habe keinen Beipackzettel!

Schreiben Sie mir bitte weiter, es ist einfach zu schön mit Ihnen mittels Tastatur reden zu können.

Ich danke Ihnen dafür.

Alla prossima volta.

MarGherITA

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- Lieber Freund,

Dienstag, August 5th, 2008

ich sitze hier an meinem Arbeitsplatz, der nur erhellt wird von einer kleinen Lampe und dem Bildschirm, und schreibe endlich an Dich.

Nein, nicht dass ich mich einer Antwort lieber entzog weil ich dich meiden wollte; es ist halt, dass wir uns so lange nicht mehr gehört haben und noch länger, dass wir uns nicht mehr sahen.
Manchmal glaube ich, wir laufen beide immer noch unseren Träumen hinterher und bedenken längst nicht mehr, ob wir sie überhaupt noch wirklich träumen, geschweige denn, ob wir die Richtung, in die sie uns lenken, auch wirklich noch einschlagen wollen. Haben wir die Träume verlegt, sind sie uns im Laufe der Zeit abhanden gekommen? Verstecken sie sich nur im Dickicht der zerronnenen Jahre oder hat die Bedeutungslosigkeit sie längst ausgelöscht..?
Verzeih, im Grunde genommen will ich Dir doch so viel Anderes schreiben!
Wie wär’s, ich schreibe Dir einfach, dass am Freitag mein Tiefkühler und Kühlschrank den Geist aufgaben und das Gleiche am Samstag meinem Telefon mit Anrufbeantworter geschah und dass mein Auto am Montag eine neue Frontscheibe eingesetzt bekam, weil sie durch einen Steinschlag kaputt ging?!
Aber schöner ist doch, Dir zu schreiben, dass seit vorgestern hier die Sonne so wunderschön scheint, so wie an einem Spät-Februar-Tag der den nahenden Frühling verspricht; dass an meinem alten Apfelbaum nur noch vereinzelte Äpfel hängen und in der Sonne genauso leuchten wie im Mondlicht der letzten Nächte und dass und seine schon lang abgefallenen Blätter dunkel und verwelkt auf der matschigen Wiese liegen.
Die letzten Ringelblumen haben sich längst dem leichten Nachtfrost gebeugt und morgen Abend werde ich im Supermarkt außer Mineralwasser und Milch, auch wieder Vogelfutter kaufen.

Der Wald neben meinem kleinen Häuschen ist dunkel und feucht. Der Januar geht zu Ende und der Winter hat nicht einmal richtig begonnen. Die Tage sind länger hell ohne wirklich hell zu werden.
Die Adventszeit habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. Ich habe sie immer als die Lunte zum Weihnachtsfest gesehen: ich zünde die erste Kerze an und damit startet der Countdown zu Weihnachten. Und an Weihnachten werden die Tage wieder länger und die Weihnachtsfreude wandelt sich und zeigt sich als ungeduldige Warteschlage am Frühlingstresen - same procedure as every year….

Mein Lieber, nun habe ich Dir den Kopf voll geschrieben mit lauter Belanglosigkeiten und doch machen sie einfach mein Leben aus. Natürlich zwackt ab und zu der Rücken, nerven mich mein Chef sowie die Wäsche die immer noch ungebügelt rum liegt und der Garten, der längst hätte winterfest gemacht werden müssen. Aber wichtig sind mittlerweile fast nur noch diese „Kleinigkeiten”, die in ihrer Summe wohl einfach das Leben ausmachen
Sie füllen diese Zeit meines Lebens, geben ihm Raum und Halt, Sinn und Beständigkeit. Sie füllen auch die Zeit in der wir uns nicht sehen, nicht sprechen können, in der wir uns nicht austauschen können.
Du weißt ja, ich plane meine Wochenenden immer irgendwie im Voraus, weil mir die viele leere und graue Zeit doch noch aufs Gemüt schlägt. Ich habe zwar hinzugelernt und es ist längst nicht mehr so schlimm, und doch muss ich manchmal feststellen, dass es während der Woche für mich einfach ist zu sagen, ich verbringe mein Wochenende allein und ruhig und nur für mich. Wenn ich dann am Freitagabend nach Hause komme, steht diese viele und leere Zeit hinter der Tür und lacht mich hämisch aus, weil sie weiß wie sie mich bedrücken und belasten kann. Ja, manchmal noch hat sie die Macht dazu. Doch das ist, zum Glück, nicht mehr so oft der Fall.
Habe ich mir jetzt den Winter-Abend -Blues bei Dir von der Seele geschrieben?
Du verzeihst, nicht wahr, weil Du weißt, ich wollte Dich nicht benutzen.
Beim Überlesen habe ich feststellen müssen, dass ich es fertig brachte Dir so viel zu schreiben, ohne Dich mit einem Satz zu fragen wie es Dir geht. Ich schäme mich.
Und ich hole es hiermit nach: Wie geht es Dir, mein Freund?
Du hast mir ja früher des Öfteren am Telefon erzählt, wie viel Arbeit auf Dir lastet und wie sehr Dich das belastet.
Du versuchst Dein Verhalten zu ändern damit diese Last Dich nicht erdrückt. Und doch gelingt es dir nicht wirklich, es ist mit so viel Anstrengung verbunden.

Sein Verhalten zu ändern, fällt halt nicht leicht. Es sind immer die gleichen Fehler die wir machen, die gleichen irrigen Prioritäten die wir setzen und die uns gefangen halten. Wir geben demjenigen die größte Bedeutung, der uns am meisten fordert und dem wir nicht gut ausweichen können. Es scheint mir, als füllst du so auf der einen Seite das Loch auf, das auf der andern Seite durch die Leere und die Unsicherheit des Alleinseins entstand. So lange wurde viel an Dir gezogen und wenig bewegte sich zu Dir hin. Lass mich Dir manchmal einfach meine Hand reichen.

Es ist jetzt kurz nach halb acht abends und der Mönchstee zieht.
Ich werde Kekse backen.
Ich werde Dir welche mitbringen, wenn ich Dich besuchen komme.
Endlich wieder! Ich freue mich so.
Ich hole mir jetzt eine Tasse Tee, überlese noch mal was ich dir schrieb (die Fehler eliminieren soweit sie mir auffallen) und werde Dir diesen Brief zuschicken, zusammen mit den guten Gedanken, die ich für Dich habe.
Ich umarme Dich mit Worten.
Gib auf Dich Acht, mein Freund.

G.

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