Archive for the ‘ceci-cela’ Category

- GeisterStunden

Dienstag, März 9th, 2010

Heinrich, ich sage es dir, die Lieb, die mich an dich band, hatte nicht die Kraft dir gut zu tun. Ich verzage bei den Gedanken, dich mit dieser Lieb vergrault zu haben, großer Heinrich.
Nein, winke nicht ab, du bist ein großer Geist. Doch leider sind große Geister nicht zur Lieb geschaffen. Sie können sie nur nehmen, doch nicht geben. Sie brauchen die Nahrung der Liebe ohne selbst Nahrung sein zu können.

Ach Heinrich, einst graute mir vor dir. Heut ist nur großes Leid in dieser Brust, in der ein Herz schlägt, so traurig heut wie vormals freudig.
Ein Herz, das seinen Takt nur an deinem Atem misst. Dies töricht Herz, das sich mit dir freute und mit dir litt, das dir all sein Sein schenkte und sich öffnete für deine schmeichelnden Worte, um leidend sich zusammen zu ziehen vor der Schmach des abgewiesenen Gretchens.
Ach Heinrich, könntest du doch einmal nur fühlen, was dieses dumme weiche Herz für dich zu fühlen imstande war.
Könntest du die Lieb empfinden, und sei’s um einen kurzen Lebensschlag, die dort in seiner Tiefe schlummert und des geliebten Geliebten harrt.

Heinrich, entsinnst du dich noch der Stunden voller süßer Zauberworte, beschwingte Augenblicke eines kurzen Zeitmoments?
Entsinnst du dich des zarten Lächeln, der zaghaften Nähe und der sinnlichen Glückseligkeit?
Entsinnst du dich der Träume die wir, zaudernd erst, wagten gemeinsam zu verbinden?
Entsinnst du dich der verschlungenen Finger, Hände, Beine, Leiber, die uns fast besinnungslos der Traumzeit auslieferten?
Entsinnst du dich deiner eigenen wahrhaftigen Liebe eines einzigen Augenblicks?
Und lebte sie nur diesen kurzen Augenblick, so lebte sie doch und existierte in dir und in deiner Tiefe.
Für diesen einen kurzen Augenblick - Teil deines Seins.

Meine Lieb zu dir ist immerwährend. Auch wenn ich mich jetzt von dir abwenden muß.
Ich muß den Weg des Verlassens gehen, den du doch längst gegangen bist. Nur wolltest du nicht wahr sehen was wahr ist.
Deine Spuren sind unauslöschlich in mir und ich trag sie in die Welt.

Du strebst nach Anderem. Denn dein Gretchen ist dir Bäuerin, Magd. Nicht gut, nicht fein, nicht schön und schnell nicht mehr jung genug, um dir Erfüllung auf Dauer zu gewähren.
Du suchst das Wesen deines Traumes. Heinrich; es wird immer ein Traumwesen bleiben.

Mein Geliebter, laß es dir Traumwesen bleiben, dann wird es immer dein sein.
Träume deine Träume, Heinrich. Lebe was du leben mußt. Liebe, wenn du lieben kannst.
Und laß los, was du nicht mehr mögen magst.
Ich lasse los von dir, mein Geliebter. Du weißt warum.

Geh weiter, Heinrich, schau dich nicht um. Du würdest das Gretchen sehen, aufgelöst und wirr. Es hat längst deine Spuren in sich innendrin gelöscht. Es musste sein.

Viele werden dich weiterhin begleiten. Alle wollen etwas von dir.
Finde jemand, der gibt, Heinrich. Gretchen ist ja nicht mehr da.
Und gib acht auf deine Seele - du weißt wie gierig sie danach sind.
Entzieh dich ihm, dem Bösen, mein Geliebter. Vertraue auf das Gute das wir versucht.

Glaube mir, dies eine Mal, Vertrau und deine Müh’ wird nicht umsonst gewesen sein.
Nimm dieses mein Herz voller Qualen und Lieb und glaube ihm. Es wird dich heilen.
Laß es deine Rettung sein.

Lebe, Heinrich! Ja, mein Geliebter, vergiß nicht zu leben.
Für mich, für uns.
Nur du.

In verzweifelter Zuneigung
Das Gretchen


MittWoch

Mittwoch, Januar 6th, 2010

Die Lilien sind lachsfarben an diesem Mittwoch.
Sie haben sich umgezogen.
Letzten Mittwoch waren sie noch weiß gekleidet.
Wartend senken sie die Köpfe.
Ich tue es auch.

Ich will nicht wissen, dass ich warte.
Es ist Mittwoch, der Wartetag.
Der Tag an dem er zu kommen pflegt.
Doch wann, das ist nie vorhersagbar.

Die Lilien sind das Mittwochszeichen.
Er liebt sie.
Deshalb warten sie auch.
Wie ich.

Warten nur Liebende?
Brauchen Geliebte nicht zu warten?

Und wer das Warten nicht kennt, ist der glücklicher?
Wer nicht weiß, was er vermisst, er der zufriedener?

Wer Sehnsucht nur dem Namen nach kennt,
findet der keine Namen für Liebe?

Mittwochs sind die Tage so lang.
Die Mittwochnächte viel zu kurz.

Jeder Schritt ist der Wahre, bis er vorbeigeht und verhallt.
Wenn der wahre Schritt erklingen wird, ist der Schlaf längst da.
Es ist immer spät in den Mittwochnächten.
So, als hätten sie zu kurze Kleider an.
Als seien ihre Schuhe zu klein.
Als tickte ihre Uhr zu schnell.

Ruhe ist eingekehrt in den Wänden die den Mittwoch noch halten.
Sie werden ihn jetzt loslassen.
Sein letztes Paar Stunden ist längst eingeläutet.

Die Laken sind kühl, der Mondschein silbern, die Nacht verächtlich.

MittwochNächte der Einsamkeit.


- Vernissage

Montag, Oktober 26th, 2009

Sie kam hinzu, als ich gerade bereit war zu gehen.
„Warum hat sich die Frau so verunstaltet?” fragte ich mich unwillkürlich.
„Hat sie das?”, war meine zweite Frage an mich selbst.
Ich ließ sie wirken. Das klappte.
Sie war anders. Ich war anderes gewöhnt.
Die vielen Frauen, wie die hier um mich herum,
die Frauen, die hier meine Bilder bewunderten -
nur hohl. Irgendwie.
Sie war so voll.
So berstend voll Leben.
So sah sie auch aus.
Als würde sie aus ihren Fugen brechen.
Nichts quoll, nein.
Sie war einfach nur voll.
Rund ihre Augen, ihre Stirn, ihr Kinn,
rund geformt sogar ihr Mund,
ihre Arme auch,
ihre Brüste schwer und genauso voll,
das runde Becken, breit.
Die Beine unter langen Röcken
drückten sich fast daraus hervor
und ihre Zehen blickten mich, von unten, herausfordernd an.
Sie blickten aus wissenden Zeiten,
hin zu mir und meinen Händen.

Was hätte ich sagen sollen, als ich ihre volle Stimme tönen hörte.
Dabei sprach sie leise.
Die Frauen um sie herum blickten abwesend-herablassend zu ihr hin;
die Männer irritiert.
Sie war so sehr Frau.
So viel Frau.
Zu viel Frau für meine früheren Begriffe.
Wusste ich in dem Augenblick schon, dass die nicht mehr zählten?

Sie hat alles in mir durcheinandergebracht ohne mich anzuschauen.
und nur, weil ich sie ansah.
Als sie herein kam zur Tür, dort, neben dem blaßblauen Bild.
Sie war so farbig.
Als würde sie allen Bildern im Raum den Glanz entziehen.
Sie strahlte.

Dann ging sie wieder.
Dabei wollte ich doch gehen.
Ich blieb zurück.

Es war nichts mehr wie früher.
Die Farben waren mir mit ihr entwischen.
Die Töne waren stumm geworden.
Meine Augen nur noch suchend,
nicht mehr blickend.

Was hat sie sich genommen?
Mir war, als sei sie noch praller gewesen, als sie mich verließ.
Ja, unter ihren Röcken hat sich mein Mein versteckt.

Du!
Ich will deine Weichheit um mich.
Frau!
Ich will deine Farben, die mich ertränken,
deine Klänge, die mich hinweg tragen
dein Fleisch, das mich empfängt.
All das will ich!

Komm zurück,
komm tritt ein,
tritt wieder ein
hierher
zu mir.

Teile mit mir
dich.
Du hast so viel von dir.
Du hast jetzt auch alles von mir.

Komm, lass mich fallen……


- wir

Freitag, Januar 16th, 2009

die thermoskanne zischt

warum tut sie das

sie weiß wie sehr mich das nervt

sie weiß das seit unserem ersten treffen

sie weiß es seit dem augenblick

wo wir uns näher kennenlernten

sie ignoriert mich

sie ignoriert meine empfindlichkeiten

ich bin ihr gleichgültig

das zeigt sie mir mit jedem zischen

dieser gemeine laut

der erreicht mein ohr

und mein ohr schreit mir den kopf hinein

wie sehr es das zischen verabscheut

mein ohr will dieses zischen so wenig wie ich

wir sind einer meinung

mein ohr und ich

die thermoskanne rührt das nicht

sie steht neben meiner tasse auf dem tisch

lindgrün

die thermoskanne

weiß

die tasse

und sie zischt

dieses grüne monster

dickbäuchig

gleichgültig

ich werde mich rächen

ja

jetzt

ich greife nach ihr

drücke auf den kleinen hebel

oben

und schon verstummt sie

abrupt

dann nehme ich sie in die hand

und langsam gleitet die heiße flüssigkeit

aus ihrer öffnung

hinein in die weiße tasse

dann stelle ich sie wieder hin

die thermoskanne

schaue sie hämisch an

sie ist immer noch stumm

verärgert

ihr zischen kommt wieder

leiser

verbohrter

leicht hilflos

doch sie weiß

ich werde gewinnen

ich habe noch immer gewonnen

mit jedem griff nach ihr

ob sie zittert

wenn sie meine hand kommen sieht

hoffentlich

sie haßt mich

ich fühle das

und

sie haßt ingwertee

ich liebe ihn

den frischen ingwer

scharf

pfeffrig

täglich

das ist ihre strafe

ihre qual

täglich

das ist meine rache

mein genuß

täglich

ich lächle

ich genieße

und nun schweigt sie

endlich

tassen

- Nachtgedanken

Mittwoch, Januar 7th, 2009

Mein Bett ruft.
Ich sollte wohl endlich unter die Daunen.
Sie warten auf mich.
Ich nehme ein Buch mit.
Liest du auch im Bett?
Meistens schlafe ich, im Bett.
Oft träume ich, im Bett.
Manchmal liege ich sogar wach, im Bett.
und du….?!

Bist du schon im und mit dem Bett über deine Stadt geflogen,
nachts, wenn die Häuser schnarchen und sich aufblähen
vom schweren Schlafatem ihrer Bewohner?
Ich tue es immer wieder mal
und fliege über meine Welt,
hoch hinauf in den unendlichen Nachthimmel.
Mein Bett stelle ich beim Großen Wagen ab;
ich habe die Parkerlaubnis.
Dann kuschle ich mich in meine Decke,
lege ich mich auf den Bauch
quer übers Bett
und schaue nach unten auf die Erde.
Mein Freund, der Komet, kitzelt meine Füße
und winkt mir zu beim Weiterfliegen.

Manchmal lege ich mich auf den Rücken,
verschränke die Arme unter dem Kopf
und schaue in die Dunkelheit,
die von Sternen behangen ist.
Der linke, kleine, gräuliche,
der hat mir gehässig erzählt,
dass der große, ganz weit hinten in der rechten ecke,
dieser Stern der am hellsten blinkt,
längst verloschen ist.
Ich wollte das lange nicht glauben.
Warum sollte ich etwas sehen was es nicht gibt…?!
Da lachte mich das kleine graue Sternenbiest aus
und meinte, ich sollte dahin zurück wo ich herkomme,
auf die Erde - die Welt der Beweise.
Seither ignoriere ich ihn.
Das hat er davon.
Ich weiß ja, er fühlt sich einsam.
Er ist klein und unansehnlich
inmitten der strahlenden Sternenwelt.

Den Mond sehe ich selten wenn ich oben bin.
Der führt sein Eigenleben,
ist fixiert auf die Erde,
die totale Abhängigkeit.
Eine Hassliebe, wenn du mich fragst…..

Mit der Venus rutsche ich
am lauernden Morgen wieder zurück
hinein in mein wartendes Schlafzimmer.
Es macht plopp
wenn das Bett aufsetzt.
Die Nachbarn klopfen an die Decke.
Ich drehe mich lächelnd um
und schlaf noch eine Runde….

Kommst du mal mit…………….?!

 

mond

- Spuren

Freitag, August 29th, 2008

Habe nichts

und habe wieder,

habe krumm

und habe nieder,

habe atmen, habe geh’n,

habe lachen und verstehn.

Möchte Vieles,

hab’ doch Alles -

….habe mich!

.

.

.

.

.

- Tatie

Dienstag, August 26th, 2008

...pour Tatie ♣..,

tu te souviens des “cadavres..” là dans le coin, chez Nikki?!

tes éclats de rires, tes grands gestes, ta petite mélancholie,

souvent cachée derrière tes histoires d’antan?

Ta rue, ta maison - ton refus de tout quitter

- même si tu ne te sentais plus à l’aise, dans ton coin de toujours,

- même dans ces temps nouveaux, que tu osais apeller:

“mes rues remplies de tous ces nègres et ces indiens..”

l’on ne t’en voulait pas pour ces mots peu polis

dans ce nouveau monde irritant,

dans ton Paris tant aimé,

tant changé et de plus en plus étrange…

J’étais même visiter le “Quiquisana” dans ta mémoire,

l’année de ton départ…..

Tu es partie, ça fait pas mal de temps,

mais tu restes toujours dans mes pensées.

Rien qu’un petit “merci” pour tout ce que tu m’a appris!

… tout est sérieux - rien n’est grave!

 

 

 

Mademoiselle Paule Dupont

- …mal seh’n…

Sonntag, August 10th, 2008

Marsupilamis

laufen um die Ecke.

Der Hund schaut zurück.

Sie wollen nicht.

Zu Unrecht geht der Mond nicht unter.

Hat er Recht?

Der Wegrand wartet.

Sein Baum ist ungeduldig.

Turing lebt.

Er sollte es sich überlegen.

Das Licht wird dunkler.

Es wurde nicht gefragt.

Ich gehe und hole.

Die rote Lampe.

Sie geht überall mit.

Heute wollte der Mann an der Ecke.

Die Ecke wollte nicht.

Sie hat es mir erzählt.

Es gibt Spuren.

Sie haben sich versteckt.

Die Katze freut sich

wie ein Vogel.