Archive for the ‘Jahreszeit’ Category

- Lindenblüten

Donnerstag, Januar 28th, 2010

Hin und wieder, so dachte sie sich, würde sie zurückkehren.
Über die weiten Kieswege durch den Park spazieren, an den Buchenhecken vorbei, die Fontäne als ständige Geräuschkulisse um sie herum.
Sie würde wieder Lindenblüten riechen; irgendwoher aus diesem großen alten, doch niemals alternden Park, verströmen sie sich selbst.

Sie erinnert sich. Wie oft haben Lindenbäume sie schon begleitet?
Vor ihrem ersten Zuhause verklebten sie das Auto und sorgten für den Unmut des Besitzers. Er war öfters unmütig, unmutig immer öfter.
Deshalb musste sie für ihn mit entscheiden, und sie war es, die ging.

Dann zog sie in die Stadt, dort lebte sie gerne. Hinter der Strasse in der ihr Wohnblock stand, erstreckte sich ein weites Feld mit Bäumen und verwilderten Hecken und Sträuchern.Ein Paradies für die Menschen inmitten dieser hektischen Metropole, und das zum Glück, weil der alte Besitzer sich weigerte zu verkaufen.
Nachts bellten die Hunde die Fledermäuse an, neben ihnen die Nachbarn die sich trafen um zu reden, zu schweigen und zu lauschen - dem Wind der durch die vielen Bäume strich und der Stille die dann folgte.
Später wiederum wohnte sie auf dem Land und entlang des Weges zum nächstgelegenen Ort säumten die Linden die Straße. Der Wind kam so oft aus deren Richtung, dass sie abends nur die Nase zum Küchenfenster rausstreckte und sich dem Geruch überließ, den sie so sehr liebte.
Der Duft des Geißblattes am Zaun ihres kleinen Gartens, seit einiger Zeit wieder mitten in einer unbedeutenden Stadt in einem fremden Land, hat sie fast die Sehnsucht nach den Lindenblüten vergessen lassen.

Ein Bahnhof im Winter war der Anfang ihres Weges, auf dem sie zurück zu den längst verdrängten Lindenblüten gelangte.
Seither waren mehrere Monate vergangen, die sie lebte, ohne zu wissen, wohin deren Zeit verschwand.
Die Zeit nannte sich Versprechen. Sie vertraute darauf.
So ließ sie sich auf ihr treiben und landete hier an diesem Augen Blick…

Sie suchte den Teil des Gartens auf, der ihr Flächen mit wilden Wiesen schenkte unter nicht beschnittenen Bäumen und verwitterten Bänken.
Sie nahm Platz, lauschte zur Fontäne hin und hörte Schritte die an der alten Pforte vor diesen fast schon geheimen Orten inmitten dieses großen Barockgartens vorbeigingen.
Wer den großen Garten besucht sieht die akkuraten Beete, die goldenen Statuen, das kleine Gartentheater, den verwirrenden Irrgarten, die lieblichen Pavillons und die edlen Themengärten - wer also sollte in ungemähten Wiesen flanieren wollen?

Hier kann sie jetzt ihrem Fühlen Raum lassen, kann den Ängsten ihre heiße Stirn bieten, kann weinen ohne Schuld zu fühlen und sich ihren eigenen Wünschen stellen.
Ein „Warum” sollte es nicht mehr geben.
Sie würde wieder gehen müssen - wie all die Male vorher.

Sie würde ihn loslassen müssen, dabei hatte sie ihn nie festgehalten, nur in den Momenten gehalten wo sein Stolpern auch sie gefährdete.
Sie liebte ihn auf eine eigentümliche Art.
Ein Mann, ein Kind, ein Despot, ein Egoist, ein Liebhaber, ein Geliebter, ein Liebender, ein Gebender, ein Verschlinger - was alles war noch in ihm?
Es war nicht genug Zeit geblieben, das zu erkunden. Das was sie schon kannte, reichte ihr. So dachte sie jetzt
.
Alles hat sie mitgetragen; ihm zugeschaut wenn er durch sein eigenes Leben wütete, mit seinem Leben und seiner Zeit Vabanque spielte .
Sie war sein Hintergrund und Vordergrund in Augenblicken der Zweisamkeit, der Gemeinsamkeit und der unerklärlichen Lust an Leben und am Lieben.
Im Augenblick ihres ersten Aufeinandertreffens verbanden sich ihre Wurzeln, die so lange nach Boden gesucht und ohne Zögern umschlangen sie sich und drangen in unerklärliche Tiefe
.
Sie wuchsen weiter, gemeinsam. Sie gediehen und aus ihnen entwuchsen feine kleine lustige Blätter die eine zärtliche Blume umschlossen.
Heute hat er sie abgehackt. Die Blätter. Die Blüte.
Kalt, unbarmherzig - so scheint es ihr.
Er ließ sie auf das Schiff der Verbannung bringen, auf die Insel zu der nur er den Schlüssel hat
.
Er käme sie holen, dann wenn die Zeit für ihn wieder richtig wäre.
Er wollte sie nicht in seinem Dschungel haben, verweigerte ihre Begleitung.

Sie sitzt in dem weitläufigen Garten dessen Geheimnisse er ihr verraten hatte .
Sein Garten. Seine Welt.
Damals in der Mondnacht, die hohe Fontäne unter dem Großen Wagen, flüsterte er leise Koseworte in ihr Ohr, getragen von jeder Note der Wassermusik.
Jeder Augenblick so prall gefüllt wie ihr ungläubiges Herz.
Sie entschloß sich fast verzweifelt, die glücklichen Augenblicke zu pflücken und sie zu verstecken, damit sie sie nie verliert.
Die Tür des verwilderten Gartens vor ihr, versprach ihr Geheimnis zu wahren.
Und so warf sie ihr ganzes Glück  heimlich ins hohe Gras unter die Linden.

Der betörende Geruch der Lindenblüten, so dicht und intim, trägt nun alle glücklichen Augenblicke..
Und, von den Wurzeln aufgesogen, verströmen sie sich in den verzauberten Garten…

Der Duft der Lindenblüten wird jetzt durch seine geöffneten Fenster und Türen dringen.
Er wird den Kopf heben, den Blick in eine Ferne lenken deren Ende ihn verwirrt.
Er wird sich sehnen, nicht wissend wonach.
Er wird den Kopf senken und im Urwald seiner Ängste verschwinden, untergehen.

Sie verlässt die Bank, die Wege, den Garten.
Sie braucht nicht zurück zu blicken.
Sie riecht ihn, er bleibt auf ihrer Haut -
der Duft ihrer glücklichen Zeit.

- Eindhoven im Januar

Sonntag, Januar 17th, 2010

Gestern war der letzte Tag den ich bei den „Van”s’ in Eindhoven verbrachte.
Eine eigenartige Stadt, dieses Eindhoven, so metallisch-glasig-künstlich-kalt, aber die Stadt zu besuchen war ja auch nicht der Grund, weshalb ich hinfuhr..
Dafür gab es zwei Gründe: eine Artisten-Börse und gute Freunde.

Die Menschen hier sind nämlich äußerst liebenswürdig und freundlich.
Gemeinsam saßen wir am Frühstückstisch, auch wenn Joop, der 8jährige Sohn von Mareike und Claus, schon früher zur Schule mußte, nicht ohne vorher noch sein Erdnussbutterbrot zu schmieren und ein Brötchen mit Hagelslag (farbige Schokoladeschnipsel) zu essen. Das reichhaltige Frühstück ist immer noch gewöhnungsbedürftig für Südländer wie mich, die morgens gar nichts zu sich nehmen außer dem unverzichtbaren Caffè.

Kurz danach verließen die Eltern auch das Haus und ließen mich allein zurück. Ein angenehmer Zustand, ich habe ihn jedenfalls genossen.
Mein Blick ging hinaus durch die großen Erkerfenster. Hier in diesem Teil Hollands hatte der Winter nur moderat Einzug gehalten. Anders sieht es ja bei uns in Norddeutschland aus.

Ein eigenartiger Jahresanfang, dieses Jahr.
Der Schnee zwingt einen zur Ruhe, der Kontakt mit draußen ist mit Überlegungen verbunden, denn es führt zur bewussten Entscheidung hinauszugehen oder gar -fahren und zum sich auseinandersetzen mit dem was man tut und wie und wann und ob man es tut.
Ich finde das sehr lehrreich in einer Zeit in der wir eilen, ohne uns Gedanken zu machen, wie wir das erreichen, was wir uns als Ziel gesetzt haben. Wir ärgern uns über verspätete Züge, Busse und U-Bahnen, verzweifeln an glatten Autobahnen, an unbereinigten Fahrradwegen und an nicht schneebefreiten Bürgersteigen. Wir sind gezwungen, Schuhwerk und Kleidung den klimatischen Umständen anzupassen, was wiederum das äußere Erscheinungsbild trübt das wir gerne der Welt präsentieren. Wir hinterfragen ernsthaft die Notwendigkeit, uns nach draußen zu bewegen und entscheiden plötzlich bewusst, ob wir noch irgendwohin fahren oder gehen, schauen öfters aus dem Fenster und nehmen wahr, dass wir doch nicht auf alles den Einfluss haben, den wir zu haben glauben.
Ich mag es, dieses Innehalten auch noch über den Jahreswechsel hinaus. Denn meist beginnt spätestens nach dem 6. Januar eine noch größere Hektik, so als wollten wir die “vergeudete” Zeit nachholen, die wir während der Feiertage für Familie und Freunde, sprich fürs „Nichtstun” geopfert haben.

Gestern Morgen saß ich am Esstisch von Mareike und Claus, Joop drückte ja schon die Schulbank. Es war sehr ruhig; die Vase mit unzähligen gelben Tulpen stand neben den drei Teelichtern die friedlich flackerten, das Erkerfenster gab den Blick auf die ruhige Wohnstraße frei, auf der selten ein Auto fährt und fast keine Menschen zu sehen sind. Dabei ist Eindhoven eine hektische Stadt und schön ist sie nicht unbedingt zu nennen.
Und doch war es friedlich, vielleicht auch weil ich, bevor ich am Nachmittag den Weg nach Hause einschlagen musste, die letzten Augenblicke der Ruhe genoss ehe ich mich dem Stress der Autobahn und dem Bewusstsein, dass am folgenden Morgen mein Alltag anfängt, aussetzte.

Die Zeit mit den Menschen hier habe ich sehr genossen. Ich war mit Leuten auf der AEB, die die jährliche Künstlerbörse aus Berufsgründen seit Jahren besuchen und auf der sie viele neue Kontakte herstellen und Kontakte von führeren Jahren wiedertreffen. Sie kannten dort viele der Künstler und es war faszinierend, dass wir keine zwei Meter gehen konnten, ohne jemanden zu begrüßen oder begrüßt zu werden.

So überließ ich sie nach einiger Zeit ihrer Arbeit und ging allein weiter.
Bereitwillig ließ ich mich dann entführen in Zauberwelten und in Gärten der Magie, in laute Musikhallen und in kleine Variétés. Die Zigeunermusik hat mich zum tanzen animiert und die Klezmer-Klarinette zur Melancholie, die sanften Figuren des Marionnettentheaters lockten mich in die Welt hinter den Spiegeln und der kleine türkische Schuhputzer Boyaci Hüseyin alias Frans, zog mit seinen schwarzen schmierigen Fingern die Zigarette aus dem Mundwinkel um mir ein freundliches Merhaba zuzurufen. Mit der Eistüte in der Hand, die mir der behende Eisverkäufer Ali nach dem Vorführen seiner Tricks schenkte, schaute ich zu wie er aus schmutzigen Tretern wieder blanke Schuhe machte und dabei sein Tun mit unverständlichen Lauten kommentierte.
Ein holländischer Jodler auf dem Stand nebenan, in extra-kurzen und -knappen Lederhosen und der Physiognomie eines jungen Otto Waalkes, hat das exotische Bild kurz getrübt; er war einfach zu laut und zu aufdringlich.
Dafür haben mich zwei weißgekleidete junge Mädchen, Emilie und Sylvia abgelenkt, die bei berührenden Geigenklängen inmitten eines großen Luftballons, eine zärtliche Geschichte tanzten.
Prächtig gekleidete junge Menschen auf Stelzen spazierten durch die Gänge und Fabelwesen aus fremden Welten mischten sich dazwischen.
Zwei Tage lang habe ich mir das angeschaut, war mittendrin und am Rande, habe es genossen und mit Freunden und Fremden geredet, habe gelernt und hinterfragt, zugehört und wirken lassen.
Es war wunderschön und inspirierend Menschen zu begegnen, die mittels ihrer persönlichen Phantasie, eigene, verzaubernde Welten schaffen und somit andere Menschen in eine für sie fremde Welt hineinziehen.

Ich bin wieder zurück in meinem Alltag, werde hier wohl noch lange den Schnee hüten und mir dazwischen immer wieder bewußt machen, daß ich ein Glückskind bin.
Ich habe wunderbare Freunde, Menschen die mich lieben und die ich zurückliebe, habe ein Leben das ich mir selbst ausgewählt habe und das ich genieße.
Ich lerne hinzu und darf mein Wissen und Können einsetzen und weitergeben.

Mir wird bewusst, wie kostbar Zeit ist und der wahre Luxus unserer Existenz.
Ich will mir klar machen, dass jeder Augenblick wichtig ist, ob ich ihn mit lesen, schreiben, arbeiten, reden, schweigen, zuhören, lieben, lachen oder nichtstun verbringe.

Whatever - ich bin einfach dankbar.

Es wird ein gutes Jahr, 2010, es wird ein schönes Jahr, 2010.


- Winter: Herrenhausen

Sonntag, Dezember 6th, 2009

Herrenhausen, Dezember 2009

Es ist kalt hier in Hannover, feucht und windig.
Graue Wolken beschweren den Spätnachmittaghimmel an diesem zweiten Adventswochenende.
Und doch ist in mir kein Gedanke an die nahenden Festtage.
Mich hält im Bann was ich gerade erlebe, denn der Blick  auf den großen Barockgarten ist unvergleichlich.
Ich sehe zwischen den entblätterten Bäumen und Hecken auf das kleine Theater mit seinen goldenen Statuen die sogar in der Dämmerung leuchten.
Die Fontänen sind längst abgeschaltet; die Wasserbecken gähnen leer.
Die vielen Marmorstatuen stehen nackter als sonst um die Carrés und mir wird noch kälter wenn ich sie anschaue.
Luise ist fest eingepackt in ihrer Winterkiste. “Wird das etwa auch mit der Sonnenuhr geschehen sein?’, durchfährt es mich auf dem Weg dahin. Wäre das so, ihr Anblick würde mich verspotten weil sie sich, verhüllt, meinen Träumen entzöge. Doch ich brauche keine Sonnenuhr um vom Sommer  und seinen bezaubernd-verzaubernden Stunden zu träumen.

Die Grotte von Nikki de Saint-Phalle wirkt stumpf trotz der vielen Spiegel und der prallen, in- und aus-sich leuchtenden Farben. Die beiden Wachposten am Eingang haben rote Nasen und schauen den seltenen Besuchern zu, wie sie eher lustlos und mit wenig Interesse durch die kleine Grotte schlendern.

Die Gracht ist grau wie der Himmel über ihr und die nackten Zweige der vielen Bäume die sie säumen sind wie unermüdliche Finger die hilflos verdorren in der Kälte.
Die Buchsbäume und Buchenhecken werden irgendwann in Form gebracht, die vielen Zitrusbäumchen ruhen längst in ihrem Winterquartier in der Orangerie.
Die Werbung für das Wintervariété prangt an einer großen Stellwand vor der Eingangstür und die Spaziergänger hasten über die vielen Wege des Parks mit eingezogenen Köpfen an ihr vorbei.
Die kleinen Themengärten laden nicht mehr zum verweilen ein trotz der vereinzelten Bänke die sich noch hier und dort befinden und die wenigen Pavillons bieten auch keinen Schutz vor dem heftigen Wind dieses Herbstabends.

Ich schaue mir alles fast abwesend an und immer wieder blitzen Erinnerungen an so manche Sommerabende hier vor Ort durch meinen Sinn…

Der Sommer in Herrenhausen: .

wenn Musiker und Artisten durch die Gänge des Parks zogen oder auf ihren Bühnen standen und das Publikum mit Witzen, Melodien, Parodien, Pantomime, Zauber und Artistik unterhielten,
wenn gelacht und gesungen wurde, geschrieen und geflüstert,
wenn das Feuerwerk zu den Klängen der Wassermusik den Himmel farbig anmalte,
wenn jeder Knall mit einem „Oh” begleitet wurde das die die Menge unisono ausstieß,
wenn am Ende die Nacht sich wie eine Abendrobe aus Samt über die Menschen legte,
wenn dann die verzauberten Zuschauer zwischen grüßenden Artisten, von ihrem Gastgeber am Ausgang des Parks verabschiedet wurden -
dann war hier eine besondere und einzigartige Welt zu Gast gewesen, die alle neugierigen Anwesenden aufnahm, sie durch den Abend geleitete und zum Schluß mit einem voll Entzücken gefüllten Herzen entließ.
Und dieser besondere Zauber wirkte meist noch nach wenn sich jeder Einzelne in sein Bett legte und die Erinnerung an die magischen Augenblicke dieses Abends mit in seine Träume nahm.
Ich höre noch immer Fetzen der Musik und das Lachen der Menschen um mich herum, fühle unsere gemeinsame Fröhlichkeit und eine besondere Form des Glücks.

So blicke ich jetzt, längst nur mehr in der Erinnerung, von der erhöhten Besuchergalerie auf einen rosaroten Sommer-Sonnenuntergang, fühle wieder das Streifen eines Astes an meiner Schulter, bewundere den Regenbogen über der Großen Fontäne und höre im Hintergrund das leise Plätschern der vielen Springbrunnen.

Sehnsucht würde mich erfüllen, wüsste ich nicht, dass ich jedes Jahr aufs Neue diesen Zauber erleben dürfte den solch ein „Kleines Fest im Großen Garten” mir und allen anderen seiner Besucher bietet.

Ich schaue an diesem grauen Dezemberabend auf die Wege und Rabatte und weiß genau, dass sie mich auch einen einem Tag wie heute, wenn auch anders, verzaubern.

Meine Vorstellung über die zurückliegenden Jahrhunderte dieses Gartens verbinde ich mit meinen begeisterten Gefühlen von heute, stelle mir seine Vergangenheit vor und die Menschen die sich damals seinem Zauber und seiner Schönheit genauso geöffnet haben wie es die Menschen es auch noch heute tun und male mir aus wie vor so vielen Jahren die unsterblichen Töne der Musik Händels zur Freude seiner Besucher zwischen den Hecken und Bäumen erklangen.

In unserer heutigen Zeit ist dies ein Erlebnis für Alle; damals nur für Wenige. Doch der Park hat sich der Zeit und ihrer Missstände auf eine besondere Art gestellt, sich allem entziehen und dadurch überleben können.
Und deshalb bleibt er zeitlos und bewegend schön.

So wallt jedes Mal wenn ich auf seinen Wegen spaziere diese innige Dankbarkeit hoch, insbesondere dafür, dass es mir möglich ist, seinen berocken Zauber immer noch und immer wieder erleben und genießen zu dürfen.

Ich bleibe sprachlos zurück und gehe glücklich durch die kalte Dezembernacht nach Hause, werde Kerzen anzünden, Tee trinken und mich endlich auf Weihnachten freuen.


- Am Ende aller Jahreszeiten

Dienstag, Oktober 13th, 2009

Heut wär ich gerne bei dir,
hielte deine Hände,
streichelte dein zartes Gesicht,
und mit dem Daumen führe ich über deine Lippen
sanft
wie der weiche Hauch
des ersten Frühlingswindes.
du?

Hör,
unsere Musik.
Hörst du!
Sie spielen nur für uns.
Lach nicht,
ich weiß
sie kommt aus dem Kasten an der Wand
doch es ist unsere Musik
und deshalb nur für uns!
du, wo?

Spürst du die Töne
wie sie
wie die Tropfen des Sommerregens
auf das Dach trommeln,
in dein Ohr springen,
deinen Kopf füllen,
deine Beine bewegen
und dein wundervolles Lächeln
in deine Augen zaubern?
du, wo nur?

Fühlst du den Druck
der Kissen
in deinem Rücken
die ich für dich hingelegt habe,
damit du dich räkeln kannst
und deine Glieder sich entspannen.
du, wo bist du?

Riechst du die feuchten Wiesen
auf denen das bunte Herbstlaub modert,
die kringelnden Rauchfäden
aus dem Kamin
den ich dir baute.
oh du, wohin bloß?

Schmeckst du die Schwere des Weines
der rot und voll in den Gläsern schimmert,
beschienen vom Kerzenlicht
des strahlenden Tannenbaums
den ich dir gestern schlug im Wald.
sag, du, wo bist du jetzt nur?

Liebst du mich?
Bemerkst du mich wenn ich da bin?
Vermisst du mich wenn ich weg bin?
Denkst du an mich wenn du allein bist?
Sehnst du dich,wenn du einsam bist,
nach unseren Tagen und Nächten
vergangener Jahreszeiten
an denen wir uns nah waren,
und uns riechen, fühlten, spüren, hören wollten -
jeden Augenblick?

Wo sind die Augenblicke hin?
Wem haben wir sie verschenkt?
Haben wir sie verkauft?
Gingen sie uns verloren?

Ich wär so gerne bei dir,
ich hielte dich so gern in meinen Armen.
ich wollte wieder deinen Atem hören,

ganz leise an meinem Ohr,
und an meine Brust gelehnt,
würde dein Kopf schwer,
und langsam und so sanft,
käme der Schlaf zu dir
als Entführer in das Reich seiner Träume.
Ich dürfte dich begleiten
und du würdest mich nicht verlassen.


Du wolltest deinen Schlaf stets mit mir teilen
deine Nächte stets mit mir lieben -
hinein in unsere Tage.

Ich wünschte mir,
die Jahreszeiten aller Zeiten
mit dir zu teilen.

I
ch finde dich nicht mehr.


ich weiß wo du bist.
weit weg von mir,
weg von hier,
nie mehr
nie mehr hier.

morgen werde ich dich besuchen,
die knospen an der eiche
werden schon dicker
der wind lauer
die sonne wärmer.

es würde dir gefallen.
ach, was sage ich,
ich weiß ja, dass es dir gefällt.
du hast den blick auf den see so geliebt.
du brauchst jetzt nie mehr darauf zu verzichten.

…..und ich brauche nie mehr auf dich zu verzichten.



Winter - Heute

Dienstag, März 24th, 2009


Heute ist der Tag der grauen Himmel.
Sie haben Ausgang.

Ich mag ihnen nicht immer begegnen.
Wenn sie an meinem Fenster vorbei ziehen,
dann ziehe ich mich zurück.

Die grauen Himmel sind nicht böse,
nur ein bisschen bösartig.

Sie lassen nur sich selbst zu.
Sogar die Wolken haben sie vertrieben.
Die schlafen sich aus hinter den
sieben Hügeln mit den weißen Kuppen
und den grünen Decken.

Das Wasser ist wieder frei.,
Es breitet sich aus. Ich meide es auch.
Ich spieße es auf mit einer Metallspitze die gegen die grauen Himmel ragt.

Es wird Zeit, die Tapeten zu wechseln, sie wirken abgekratzt.

Die Mauer die dahinter hervorlugt
sieht aus wie graue Himmel….


- Herbst- erste Impressionen

Samstag, November 22nd, 2008

Auf einem Weg

ins Ungewisse

erste zaghafte Schritte.

Kurz,

klein,

unsicher,

suchend.

Unbekannter Boden.

Müdigkeit leert meinen Kopf,

hängt an jedem Schritt

der sich ins Bewusstsein stolpert.

Alleinsein

umhüllt meinen Körper wie eine zarte Decke,

schmiegt sich an seine Konturen,

kriecht in meinen Atem,

weckt und lockt,

macht gierig,

neugierig.

Verspricht.

Die Strahlen der späten Sonne

streicheln zärtlich meine Wangen,

streifen verführerisch meinen Hals,

legen sich auf nackte Arme.

Gespannte Haut

bereit zum bersten,

zum häuten.

Von Lust erfüllt

jede meiner Körperfasern.

Diese sinnliche Lust auf Leben -

es zu sehen, es zu fühlen.

Aus unerkannter Tiefe

steigt unbeschreibliche Freiheit:

die Freiheit des Lachens in lautlosem Raum.

Der Blick nach außen -

offen

gespannt

erregt.

Ein Blick

auf Neues,

Unerwartetes.

Auf das Leben.

Auf einen andern Weg.

Dunkle Nadeln,

harzig.

Helle Rinden,

bröckelig.

Lichtes Eichenlaub,

wispernd.

Mäusejagd der orange gefleckten Katze

auf grüner Wiese.

Am Horizont die Hügelkuppe,

das rote Dach einer Kapelle.

Am Wegrand

eine dunkle Hütte.

Und über Allem

das angestrahlte Blau

eines Spätsommerhimmels

Stille.

Still.

Gut.

- Jahreszeiten

Freitag, August 29th, 2008

Jede Jahreszeit löst andere Gefühle aus

und sie werden anders erlebt und ausgelebt.

Mag sein, sie könnten auch an jedem anderen

Jahreszeiten-Tag entstehen,

doch es wären nicht die gleichen geworden

als genau an dem bestimmten Augenblick

zu diesem so bestimmten Tag

in dieser ganz bestimmten Zeit des Jahres…

·

- Sommer: Der Tanz

Dienstag, August 5th, 2008

Der Tanz neigt sich dem Ende zu

und ich höre die letzten Akkorde

 

Meine Füße

getragen vom Takt der Musik

führen mich noch ein paar Augenblicke lang

weiter durch den Raum

 

Ich stehe still

sehe um mich

die Tanzfläche leer

 

Der Boden unter mir

vibriert noch

 

Der Weg ist weit

von der Mitte des Raumes

zurück zum Ausgang

 

Ich freue mich auf den frischen Windhauch

aus der Nacht

in die ich meine Erinnerungen trage

 

Schön ist sie

die Dunkelheit

tröstlich

obwohl ich nicht einmal traurig bin

 

Jeder Tanz geht zu Ende

Neue Nächte bringen neue Tänze

 

Ich bin eine gute Tänzerin……………..