Archive for the ‘Hauch von..’ Category

- er kam, sah und siegte…

Sonntag, Februar 21st, 2010

….dann ging er.


Er hat mich verlassen!

Ich hatte einen Kater.
Ein Kater hatte mich.
Wenn mein Leben ein Ziel hatte, ein Zentrum, einen Fixpunkt - dann war er das.
Alles drehte sich um ihn!

Seit fast viereinhalb Jahren plagte mich das tägliche Gewissen, vor allem, wenn ich nicht zur rechten Zeit nach Hause kam.
Dass die rechte Zeit die war, an der er miauend vor der Tür stand und sein täglich Futter forderte, ist wohl klar. Anfangs dachte ich noch, er hätte mich vermisst, wenn er diese klagenden Töne an mich richtete.
Doch diesen Gedanken legte ich schnell wieder ab.
Mir war meine wahre Bedeutung immer klar. Ich nahm das demütig an und richtete mich danach.
Ich tat für ihn was ich konnte, mehr noch, und dennoch konnte ich seinen Wünschen nicht immer gerecht werden .
Er bekam das beste Fressen das ein felines Lebewesen sich überhaupt vorstellen kann.
Er bedachte mich mit einem fast verächtlichen Blick aus seinen unergründlichen grauen Augen, wenn ich ihm mit säuselnder Stimme die neueste Menü-Errungenschaft vorlas, die ich besorgt hatte.
Wehe, ich traf seinen Geschmack nicht - dann bestrafte er mich mit Ignoranz und herablassender Verachtung. Im schlimmsten Fall verließ er mich für drei Tage ohne eine Spur zu hinterlassen -
außer dem vollen Napf an seinem angestammten Platz, bis er irgendwann zurückkam, sich in sein Zimmer verzog, und es huldvoll zuließ, dass ich ihn überfreudig begrüßte.

Er hat seine eigene Decke, aus Kaschmir. Nein, lange hält die nicht. Er hat diese Milchtritt-Angewohnheit.
Ich muss es gestehen, ich hasse die. Doch nehme ich liebendgerne die Kratzer in Kauf, die er an meinen Armen und Beinen zurückläßt. Ich fühle mich dann geehrt durch seine Aufmerksamkeit.
Das Geld für neue Kaschmirdecken beschaffe ich mir mit Nebenjobs. So eine Decke ist schon eine teure Angelegenheit. Aber er mag nur die!

Ramses, so nannte er sich. Nein, nicht dass er mir in einer zutraulichen Minute seinen Namen in mein Ohr geschnurrt hätte - es ist bloß der einzige Name auf den er geruht zu reagieren, wenn ich ihn denn rufen darf.

Und nun warte ich schon seit sieben Tagen auf seine Rückkehr.
Es war nicht das Essen, denn der Napf ist leer. Es war nicht die Milch, es war die aus dem Feinkostladen.
Es sind auch nicht die eventuell falschen Schleckersticks, denn ich kaufe sie immer an der richtigen Stelle. Er unterscheidet sehr genau zwischen Billigware und Edelkost.

Mein Bett war längst seins; kein menschlich-männliches Wesen wagt sich mehr hinein.
Ich habe immer neue Gardinen, damit er sie zerreißen kann.
Das Sofa ist Tabuzone für mich und Gäste habe ich sowieso keine mehr.


Ich glaube, es liegt am Rechner. Denn in letzter Zeit, und erst recht seit ich bei dieser Forum angemeldet bin, saß er schmollend vor dem Schirm und fuhr regelmäßig mit seinem Schnäuzchen über dessen helle Fläche.

Als er jedoch mit den Krallen drüber fahren wollte, musste ich ihn notgedrungen stören. Das konnte ich doch nicht zulassen, es hätte den Schirm seine Existenz gekostet und mich einen neuen Bildschirm.

Dann setzte sich Ramses demonstrativ auf die Tastatur.

Und nun muss ich es zugeben: ich habe ihn runter geschmissen.

Und das nicht nur einmal.


Ich glaube, das hat er mir nicht verziehen.

Beim letzten Mal, vor sieben Tagen, ich war ja noch nicht lange angemeldet, da geschah es dann.

Er hat mich nur noch traurig angeblickt. Ich hatte mich in Rage geschrieben mit einem Artikel für das Forum und den verwirrten Ramses einfach verscheucht und ignoriert.


Nicht nur, dass er mir das scheinbar nicht verzieh, ich selbst verzeihe es mir auch nicht.

Denn er ging, wortlos.

Ich dachte, er ginge bloß seine üblichen Wege durch die Straßen, seine Weiber besuchen, seine Nachtrunde drehen, Kontrollgang machen und dann zurück zu mir.


Er kam nicht mehr wieder.


Heute Nachmittag, als ich die Straßen nach ihm absuchte und hunderte Kopien mit seinem Foto und seiner Beschreibung an jeden Baum und jeden Lichtmasten pinnte, sah ich hinter einer zerrupften Gardine, graue Katzenaugen leuchten.

Direkt in meine Augen.

Dieser Blick - unverkennbar Ramses, dachte ich sofort.


Ich klingelte, niemand öffnete. Mein Klopfen an das Fenster rief nur die Nachbarin nach draußen. Sie konnte mir nicht sagen, ob die von nebenan die Katze schon länger haben. Aber unheimlich sei ihr das Viech schon, meinte sie zum Schluss.


Bevor ich weiterging, spürte ich ein Kribbeln in meinem Genick.

Ramses. Nur er allein, nur sein mir so vertrauter durchdringender Blick, löste stets solche Schauder bei mir aus.

Ich blickte zurück - er wandte seinen Kopf ab und verschwand in der Dunkelheit des Raums hinter ihm.

Ich dachte, mein Herz müsste zerreißen.


Verdammt!!!


Soll er bleiben wo er ist, jawohl!!

Ich hole mir morgen einen Hund aus dem Tierheim.

Nicht zu groß, nicht zu wild, egal….

Hauptsache keine grauen Augen.

Und auf “Ramses” darf er auch nicht hören!


Und vorher kaufe ich schon bei Aldi Hundefutter…..

Ton retour.

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

…et pour toi ces quelques mots.

Du bist,
warst,
hättest immer sein können.
Nicht wichtig,
weil du bist.

Du kommst,
gehst
immer wieder fort.
Nicht wichtig,
weil du nicht verläßt.

Du schaust,
blickst
hin und weg.
Nicht wichtig,
denn du siehst alles.

Du gibst,
nimmst ,
erwartest  viel.
Nicht wichtig,
denn du gibst dich.

Du bist bei mir,
kommst auf mich zu,
schaust mich an.
Du umarmst mich
damit ich mit Dir
die Welt umarmen kann.

Alles ist.

- …warum nicht?!

Montag, Februar 1st, 2010

Wie kann ich über Liebe redenwie soll ich Liebesgeschichten schreiben
wenn die Worte so banal sind
so verbraucht,
dass sie Krieg und Liebe binden?

Hätte die Liebe ihr ganz eigene Sprache
ich hätte sie längst gelernt.
Ihre Koseworte würd’ ich in dein Ohr flüstern
wenn du mich in den Armen hältst.

Ich wollte singen können
von der Leichtigkeit der Wolken
auf denen ich fliege,
von dem Sonnenstrahl der mich hinweg trägt,
vom Regentropfen der mich erschlägt,
von deinem Mund der lächelt
wenn ich in deine Augen sehe.

Soll ich sie malen,
diese wortlosen Worte?
Mit welchen Farben?
Die Farben der Welt,
so bunt und schön -
doch so fahl im Farbenspiel
deiner Augen, wenn du mich erblickst.

Und wenn ich Töne nehmen würde -
leicht, fein, tief, schwer, flüchtig….
sie wären klanglos
neben der Musik deines Flüsterns in der Nacht.

Ich könnte es versuchen
und Gerüche mischen
die aus Flieder und aus Rosen
aus Jasmin und von Moschus
von Leder und aus Gras
gekratzt oder gepresst sind -
sie gingen unter neben dem Duft deiner Haut.

So spreche ich von Liebe
in all den alten Worten,
ich singe sie mit alten Liedern,
ich male sie bunt wie einen Sommernachmittag,
mein Duft wird sie begleiten -
wortlos, tonlos, farblos.

Ich summe die Melodie eines glücklichen Herzens
und weiß,
du wirst sie verstehen.

Ich schweige und du begreifst jedes Wort.
Alle Dunkelheit malt unsere Welt
Wir tanzen auf lautlosen Tönen
über den Teppich sanfter Blütenschatten
hinweg -
in eine Welt
mit neuen Sprachen
fremden Tönen
unbekannten Farben
betörenden Gerüchen -
und unaussprechlicher Leichtigkeit.

 

 

 

.


- Aus alten Zeiten

Samstag, Januar 30th, 2010

Was sollte uns denn bleiben
nach tagelanger Zeit
nach nächtelangem Treiben
hin zu Unendlichkeit?

Was kam ist schon gegangen,
was ging kommt nimmermehr.
Und doch hält uns gefangen
der Blick zurück hierher.

Hier gab’s nie was zu sehen
hier gab’s nur Luft, nur Schein.
Es blieb nicht mal das Gehen,
denn es gab hier kein Sein.

Ich stehe an der Wende -
sie weiß wohin, ich nicht.
Ich weiß, s’ist nicht das Ende
denn in ihr blinkt ein Licht.
Und doch schau ich hinüber
in die Vergangenheit.
So wär’ es mir denn lieber,
die währte Ewigkeit?

Nein, geh und bleib gegangen!
Ja, ich bin von dir los!
Du hattest mich gefangen
in deiner Lügen Schoß.

Der Glockenschlag, er ruft mich
hinein ins neue Land,
in dem der Tag stets lieblich
die Nacht mit Sternenband
gar freundlich mir erzählen
von Treu und Glaub und Sein.
Wie konnt’ ich dich nur wählen
im kalten Mondenschein?

Der lag um deine Züge
gab deinem Blick Gestalt.
Ich glaubte gern die Lüge,
leugnete die Gewalt.
Du warst mein Traum, mein Denken,
mein großer Lebensquell.
Mein Sein wollt ich dir schenken.
Mein Dunkel ward fast hell.
Ich ließ mich davon blenden,
sah deine Schatten nicht.
Nun werd ich mich abwenden
von deinem kalten Licht.

Das Licht, das mich erwartet
ist warm und sanft und klar,
ist nur für mich geartet,
mehr als dein’s jemals war.

Du wirst den Blick abwenden
und mich vergessen tun.
Du gehst nun andere blenden
und in deren Liebe ruh’n.

Verschwind gar schnell, Geliebter!
Der Tag ist zeitlos lang
denn ohne dich versiegt er
niemals mehr. Mir ist bang.

Und doch zieht mich das Neue,
lockt mich der Sonne Licht
das ich nun nicht mehr scheue,
weil es im Herzen bricht.
Dort lässt es warme Spuren,
lässt Hoffnung blüh’n und Freud’.
Mein Sein hat mehr Konturen,
mein Glück viel wen’ger Leid.
Oh gib mir doch, du Göttliche
ein Stück Geborgenheit
in deiner Nähe, Herrliche,
fühl’ ich kein Raum, noch Zeit.

Ich bin nun angekommen
in meinem eignen Sein,
fühl mich noch ganz benommen
vom neuen linden Schein.

Ja, ich begreife demütig
des Lebens einz’ge Wahrheit
und beuge leicht und ehrfürchtig
mein Haupt vor dieser Klarheit.